Vor gut 25 Jahren erschien Michael Marraks Roman LORD GAMMA im
Berliner Shayol Verlag, der damit den Grundstein zu Marraks Weltkarriere legte.
In den Monaten Januar und Februar 2026 starteten der Autor und sein
langjähriger Wegbegleiter Hardy Kettlitz
(inzwischen Inhaber des Memoranda Verlags) auf startnext.com das
Crowdfunding-Projekt „Lord Gamma: Die Jubiläumsausgabe“, mit der sie eine
luxuriös ausgestattete, überarbeitete und ergänzte Neuausgabe des Buches
finanzieren wollten. Das Projekt hatte mehrere Zwischenziele und bot dafür 16
Unterstützungs-Optionen, die von der reinen Geldspende über Poster, signierte
Cover-Drucke, Buch- und E-Book-Bestellungen bis hin zum 120 €-Gesamtpaket
reichten. Zusätzlichen Anreiz boten Pakete mit älteren Marrak-Büchern,
Memoranda-Seltenheiten und sogar der Möglichkeit, den Autor für eine Lesung zu
buchen. Am Ende waren alle Ziele erreicht und fast 12.000 Euro zugesagt.
Buchproduktion, Signieraktion und Versand benötigten noch einige Tage, aber
Anfang März wurde dann geliefert: Zentrales Element ist natürlich die
hochwertige illustrierte Hardcover-Ausgabe von LORD GAMMA (im Memoranda Verlag,
aber ohne ISBN), deren 222 Exemplare alle von Marrak signiert sind. Im
Gesamtpaket waren dann noch ein von Alexander
Preuss signiertes A2-Poster des umlaufenden Einbandbildes, ein signierter
Cover-Druck, zwei von Marrak signierte Illustrationen sowie das E-Book
enthalten. Das Buch hat 631 Seiten, von denen der Roman gute 500 einnimmt.
Eingerahmt ist er von einem Vorwort von Markus
Tillmann, zwei Nachworten von Andreas
Eschbach, einem Interview mit und einem Werkstattbericht von Michael
Marrak und ganz am Ende steht die sehr hübsch von Gerhard Junker illustrierte Erzählung „Wiedergänger“ aus dem Jahr
1999. Einziger Nachteil: alle Fans, die sich trotz diverser Warnungen nicht zu
einer Unterstützung durchringen konnten, haben das Nachsehen. Es wurden nur die
über Startnext georderten Exemplare gedruckt – eine Nachauflage ist
ausgeschlossen.
Ein Nachzügler aus dem letzten
Jahr: Mit leichter Verspätung (hihihi) erreichte mich der vierte Band von Guillaume Perreaults SF-Comic-Reihe DER
WELTRAUMPOSTBOTE – PANIK IM POSTAMT (Rotopol, ISBN 978-3-96451-063-1, 176 S.),
mit dem er nahtlos an die Geschehnisse von Band 3 (HUNGRIG DURCHS WELTALL)
anschließt. Diesmal ist das Postamt selbst die Bühne für ein überaus
verwirrendes, chaotisches und lustiges Abenteuer, das Bob, Marcella und die
anderen Post-Mitarbeiter*innen überstehen müssen. Alle, die an den früheren
Geschichten ihren Spaß hatten, werden hier bestens bedient. Neueinsteiger*innen
fangen bitte mit Band 1 an.
Nun sind
also auch T. S. Orgel unter die
Märchenerzähler gegangen und haben mit DEADLY EVER AFTER – BLUT UND SCHNEE
(Heyne, ISBN 978-3-453-27556-0, 607 S.) eine echte ABG-(Andersen-Bechstein-Grimm)-Hommage
vorgelegt. Schneewittchen, Rotkäppchen und tapfere Schneiderlein treten auf, allerdings
sind diese Namen nur noch ferne Echos der Ursprungsmythen. Bei Tom und Stephan Orgel sind es handfeste Charaktere in einer dunklen
Fantasywelt, in der die Grausamkeiten der Märchenerzählungen in sehr realen
Geschehnissen münden und eine Kette von Reaktion und Gegenreaktion bewirken, in
denen der Kampf um die Beherrschung der Magie im Mittelpunkt steht. Dicht
daneben steht dann der leicht angeschwärzte Humor der Gebrüder Orgel (na, ob
das später mal ein Markenzeichen wird?), der dafür sorgt, dass die lustigen
Stellen der alten Märchen eine zeitgemäße Entsprechung finden. Das Ganze atmet
neben den erwartbaren Anmutungen deutscher Romantik, englischer Gothic Novel
und amerikanischer Horror-Schreibe für mich auch einen feinen Hauch Bill Willingham’scher FABLES-Erzählung.
Gut so.
Manchmal bin sogar ich noch zu
verblüffen. Irgendwie kenne ich den März Verlag ja seit Kindertagen, hatte ihn
jedoch als seit vielen Jahren „Non-Existent“ abgelegt. Dann erreichte mich das
Angebot, aus dem neuesten Programm doch den Roman DER GRÄBER (ISBN 978-3-7550-0063-1,
275 S.) von Hendrik Otremba zu
besprechen. Gesagt, tun getan – wie das Onkel Hotte früher so schön prägnant
ausdrückte. Nachdem mich der Klappentext darüber aufgeklärt hatte, wer Hendrik
Otremba eigentlich ist (Als ausgebildeter Ignorant war mit natürlich entgangen,
dass der Gute 1984 in Recklinghausen zur Welt kam, danach Universalkünstler
[Autor, Musiker und Maler] wurde, seit 2017 Romane veröffentlicht, auch noch
sechs Alben als Sänger der Gruppe „Messer“ aufgenommen hat und mit seinen
Bildern Zeitschriften- und Plattencover schmückt.), machte ich mich also an die
Lektüre. Das Buch hat mir sowohl stilistisch als inhaltlich sehr gefallen und
wird darob in meiner Sammlung den Buchstaben „O“ im Autorenalphabet dauerhaft
bereichern. Natürlich kann sich niemand vorstellen wie es ist Unsterblich zu
sein, das Ende der Welt, den Untergang der Zivilisation und das Zeitalter des
Post-Antropozäns mitzuerleben – aber Otremba gelingt es in DER GRÄBER davon so
zu schreiben, dass es sich für die Zeit der Lektüre anfühlt, als wäre das doch
vorstellbar. Dieser großartige (und wunderschön hochwertig aufgemachte) SF-Roman
jedenfalls ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der März Verlag sehr lebendig
ist!
Der fünfte Band mit
Känguru-Geschichten von Marc-Uwe Kling
ist unter dem Titel DIE KÄNGURU-REBELLION (Ullstein, ISBN 978-3-548-07410-8,
280 S.) erschienen. Gleichermaßen die live eingesprochene Komplett-Lesung (6
CDs bei HörbuchHamburg) des Autors. Kaufen, lesen, hören, lieben!
Das Frühjahrsprogramm von
Carcosa liegt vor und diesmal gibt es nur zwei Titel vorzustellen: Von Nicola Griffith erschien mit SPEER
(ISBN 978-3-910914-50-6, 255 S., kleinformatiges Hardcover) eine ungewöhnliche
Neuinterpretation der Artus-Legende. Die Tochter einer magisch begabten
Waldfrau zieht los zum Hof von König Artos um dort ein Ritter zu werden. In
Griffith’ Version kehren sich fast alle Vorzeichen um, sie stellt die
Geschichte auf den Kopf, trotzdem wirkt sie gerade deshalb „richtig“ und
überzeugend. Die bemerkenswerteste Version des altbekannten Stoffes seit Marion Zimmer Bradley.
Es ist erst fünf Jahre her,
dass Aiki Mira uns mit Romanen und
Geschichten, Artikeln und Essays verzaubert, und doch ist die deutschsprachige
Science Fiction inzwischen ohne diese Stimme unvorstellbar geworden. Während
der Roman DENIAL OF SERVICE aktuell noch „in den Charts“ steht, liegt mit
DESHALB KANN ICH NICHT FORT (ISBN 978-3-910914-52-0, 346 S.) nun eine erste
Sammlung mit Erzählungen vor. 22 Stories aus fast ebenso vielen Anthologien und
Magazinen, alle erschienen zwischen 2021 und 2024, sind es tatsächlich
geworden, drei von ihnen haben SF-Preise gewonnen, viele waren nominiert – alle
sind es wert (nochmals) gelesen zu werden.
„Mama, Papa, soll ich euch einen Witz erzählen?
Ja, leg los.
Okay, also: Wohin gehen kleine Schweinchen, wenn sie was lernen wollen?
Keine Ahnung! Wohin gehen kleine Schweinchen?
In die Grunzschule!“
Hendrik Otremba – DER GRÄBER
(S. 275)
„[W]er Michael kennt, weiß, dass man ihm schlecht etwas abschlagen
kann, weil einen sonst ein Gefühl beschleicht, als hätte man gerade ein kleines
bepelztes Tierbaby totgetreten.“
Andreas
Eschbach – „Nachworte“; in: Michael
Marrak – LORD GAMMA (S. 530)