TEMPORAMORES - Newsletter # 429 - 31.8.2026




KURZMELDUNGEN

Okay, jetzt gibt es doch noch einen guten Grund, den August mit einem Newsletter zu beenden: Der Carcosa Verlag hat sein Versprechen gehalten und pünktlich die überarbeitete Neuausgabe von Gene Wolfes Opus magnum DAS BUCH DER NEUEN SONNE ausgeliefert. Die ursprünglichen vier Teile (DER SCHATTEN DES FOLTERERS, DIE KLAUE DES SCHLICHTERS, DAS SCHWERT DES LIKTORS und DIE ZITATELLE DES AUTARCHEN) erschienen im Original Anfang der 1980er Jahre und wurden kurz darauf auch bei Heyne veröffentlicht. Allerdings war die Zeit wohl noch nicht reif für solch ein Monumental-Epos. Jedenfalls gab es keine Nachauflagen und so herrschte etwa vierzig Jahre lang Dürre und Düsternis für alle deutschen Wolfe-Fans, die diesen, inzwischen zum Mythos gewordenen, vierteiligen Science-Fiction-Roman im Gewand einer Fantasygeschichte (oder ist es ein Fantasy-Roman, der magische Science-Fiction-Elemente enthält?) einmal selbst lesen wollten. Um zu vermeiden, dass sich die Neuleserschaft an einem fast 1400 Seiten mächtigen Ziegelstein überhebt, hat Carcosa das Werk in zwei Teile aufgeteilt. DAS BUCH DER NEUEN SONNE I (ISBN 978-3-910914-62-9, 696 S.) und DAS BUCH DER NEUEN SONNE II (ISBN 978-3-910914-64-3, 682 S.) enthalten den von Reinhard Heinz übersetzten und von Hannes Riffel grundlegend überarbeiteten Romantext, ohne jeden Kommentar oder weitere Erklärungen. Gene Wolfe, der es ja wissen musste, hat auf Nachfragen immer erklärt, es stünde doch alles im Buch, man müsse es halt aufmerksam lesen. Viel Spaß!

    ((Kurzer Einschub hinter vorgehaltener Hand: Im vierten TEMPORAMORES-Sonderband hat Klaus Geus, einer der besten deutschen Wolfe-Kenner, bereits 2010 einen wertvollen Essay veröffentlicht, der den Titel „Wie lese ich Gene Wolfe?“ trägt und „zehn nützliche Tipps“ zu diesem Thema parat hält. Wer das Buch noch rumliegen hat, kann ja mal einen Blick riskieren.))

    Außerdem möchte ich noch kurz aufzählen, was der Sommer an neuen Büchern mit sich gebracht hat: Von James Corey ist mit DER GLAUBE DER BESTIEN (Heyne, ISBN 978-3-453-32261-5, 493 S.) der zweite Hardcover-Band der Reihe THE CAPTIVE`S WAR erschienen. Ebenfalls bei Heyne kamen die Klassiker KATZENWIEGE (ISBN 978-3-453-32267-7, 255 S.) von Kurt Vonnegut und DIE REISE NACH PANDORA (ISBN 978-3-453-32429-9, 302 S.) von Frank Herbert in neuen Übersetzungen und als Klappenbroschur heraus. Langsam lohnt es sich wieder, ein Auge auf meinen alten Lieblingsverlag zu werfen.

 

 

ZITAT

„[Gene] Wolfe mag für einige Connaisseurs vielleicht der beste Science-Fiction-Autor sein, der beliebteste – das war und ist er mit Sicherheit nicht. Der Grund ist jedem, der schon einmal einen Roman oder auch nur eine Kurzgeschichte von ihm gelesen hat, klar: Wolfe ist kein einfacher Autor. Viele legen nach oder schon während der Lektüre das Buch frustriert aus der Hand. Selbst Wolfes Meisterwerk, die hoch gelobte Serie „The Book of the New Sun“ löst bei manchen Leuten nur ein Schulterzucken aus, wenn man sie nach dem genauen Inhalt und der Handlung fragt.“

Klaus Geus – „Wie lese ich Gene Wolfe?“,

in: Herrmann Ibendorf (Hrsg.):

TEMPORAMORES-Sonderband 4 (S. 182)



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