Wenn es eine neue Autorin
schafft, mit ihrem Erstlingsroman auf Platz 1 in der New York Times-Bestsellerliste aufzuschlagen und dort ein viertel
Jahr unter den Top Ten zu verbleiben, darf schon von einer gewissen Qualität
ausgegangen werden. Deshalb kann man Piper ruhig dazu gratulieren, dass sie die
Rechte für DRAGON CURSED: ZEIG KEINE GNADE (ISBN 978-3-912332-15-5, 480 S.) von
Elise Kova erworben haben. Der Roman
erschien soeben in der Übersetzung von Maike
Claußnitzer in gleich zwei Versionen, wobei die „Deluxe Edition mit
Farbschnitt“ neben der Rundumbemalung einen kartonierten Schuber anstelle des
Schutzumschlags hat. Die anderen Features, wie Lesebändchen, farbige Vorsätze
und ein Einband in „edler Drachenschuppen-Optik“, sind gleich. Die Story dieser
„Dilogie“ kreist um das Erwachsenwerden einer jungen Frau in einer Fantasywelt,
in der Drachen und Menschen unversöhnliche Feinde sind, obwohl (oder weil) sie
miteinander „verwandt“ sind. Denn wenn sich bei den anstehenden Prüfungen
herausstellen sollte, dass Isola unter einem „Drachenfluch“ steht, wäre das ihr
Todesurteil, da sie sich dann womöglich selbst in einen Drachen verwandeln
könnte. Glücklicherweise gibt es aber ein paar Menschen um sie herum, die Isola
mehr als ihr eigenes Leben lieben und die deshalb alles für sie riskieren
würden …
Na, mal wieder ein Buch nur
wegen seines Titels gekauft? Naja, irgendwie schon. Aber der Autor Cory Doctorow gehört zu jenen, von
denen ich alles lesen will. Okay – ich hätte ein Buch mit dem Titel
ENSHITTIFICATION (Blumenbar, ISBN 978-3-351-05143-3, 475 S.) vermutlich auch
gekauft, wenn ich von Autor noch nie gehört hätte. Schuldig. Trotzdem: Auch
wenn der deutsche Untertitel „Wie Tech-Konzerne uns ausbeuten und was wir
dagegen tun können“ sehr gut zum Inhalt passt – das originale „Why Everything
Suddenly Got Worse and What To Do About It“ hätte eine etwas frechere
Übersetzung gut vertragen (z.B. „Wieso plötzlich alles im Arsch ist und wie wir
den Scheiß wieder weg kriegen“). Aber Doctorows kluger Essay gehört unbedingt
ins Selbsthilfe-Regal, gleich neben den Erste-Hilfe-Kasten, die Ersatz-Akkus
und den großen Hammer, mit dem man dem Internet-Router zeigen kann, wer im Haus
das Sagen hat.
Es gibt so Comics, über die
ist eigentlich doch schon alles gesagt. Da wissen die Leser*innen zum Teil mehr über Inhalt und Hintergründe als die
Autoren und Zeichner. Glauben sie jedenfalls. Natürlich gehört WATCHMEN
dazu, 1986 erschienen, geschrieben von Alan
Moore, gezeichnet von Dave Gibbons.
Die dann doch vorhandenen Wissenslücken füllt die neue, 83. Ausgabe der REDDITION, Volker Hamanns „Zeitschrift für Graphische Literatur“, die soeben
erschienen ist. Gemeinsam mit u. a. Peter
Schimkat, Stefan Schmalz und Peter
Lau zelebriert Hamann den vierzigsten Jahrestag der Erstveröffentlichung
dieses in jedem Sinne absoluten Meisterwerks – und lässt am Ende nun tatsächlich
keine Fragen mehr offen. Ergänzend gibt es für Abonnenten eine kleine Broschüre
mit einer Komplett-Bibliographie 1986–2026. Unverzichtbar!
„BUCH BEHUTSAM AUS DER HÜLLE ZIEHEN“
Aufkleber auf: Elise Kova – DRAGON CURSED: ZEIG KEINE
GNADE