Ich habe Dan Simmons Mitte der 1990er Jahre für mich entdeckt. Natürlich las
ich zuerst die beiden HYPERION-Bände und wollte mich dann auf die Fortsetzung,
ENDYMION, stürzen. Die damals noch fehlende Übersetzung brachte mich dazu,
erstmals einen umfangreichen Doppel-roman in der Originalsprache zu lesen. So
verdammt gut war die Schreibe von Dan Simmons! Danach habe ich noch viele
Bücher von Simmons gelesen, überwiegend gute bis sehr gute, aber die vier
CANTOS-Bücher blieben meine Lieblinge. In den letzten Jahren entwickelten wir
uns auseinander, trotzdem macht mich die Meldung von Simmons Tod traurig. Daniel
Joseph Simmons kam am 4. April 1948 in Peoria, Illinois, zur Welt, studierte
und arbeitete lange Jahre als Lehrer, bevor er zu Beginn der 1980er Jahre mit
dem Schreiben begann. Sein Talent wurde schnell erkannt, er erreichte eine
große Leser*innen-Gemeinde und erhielt jede Menge Genre-Preise für seine mehr
als 30 Romane und Erzählungssammlungen. Am 21. Februar 2026 erlag Simmons im
Alter von 77 Jahren in Longmont, Colorado,
einem Schlaganfall.
Manchmal erreichen mich
Nachrichten, bei denen ich viel lieber still sein möchte als sie weiter zu
verbreiten, und dann denke ich ab und zu: Was hätte Hermke mir wohl geraten?
Trotz der langen Jahre, die wir uns kannten und der verschiedenen Wege, die wir
seither gingen, trotz des großen Altersunterschieds und der sehr anderen
Lebensumstände, unter denen wir unsere Bestimmungen erreichten, war doch immer
das Grundvertrauen da, einander bei allen Problemen fragen zu können. Nicht,
dass wir dann einer Meinung waren – aber der „andere“ Blickwinkel war immer
hilfreich. Und jetzt ist Hermke tot, gestorben vor einigen Tagen im Alter von
88 Jahren, und ich denke mir: Scheiße, wen soll ich denn jetzt fragen? Aber
vielleicht geht es so: Anfang 1980 war ich ein Einzelgänger, komischer Kauz und
planlos vor sich hin lesendes und sammelndes Landei. Dann lernte ich Hermke
kennen und nur wenige Wochen später war meine Welt eine andere und mein Leben
umgekrempelt. Hermke erkannte mein Potential, förderte meine Stärken und ließ
mich auch meine Defizite bemerken, ohne sie mir unter die Nase zu reiben. Falls
es jemals einen „geborenen Lehrer“ gab, dann Hermke Eibach. Der sich selbst allerdings unbedingt als Händler
sah, als jemand, der aus seiner Leidenschaft für bedrucktes Papier einen Beruf
machte und seine Berufung, Menschen durch Literatur „besser“ zu machen, dadurch
erfüllte, dass er ihnen die Lektüre zugänglich machte, nach der sie sich
(oftmals ohne es zu wissen) sehnten. Hermkes Romanboutique in Würzburg war seit
1981 der Ort, an dem man ihm begegnen und dabei zusehen konnte, wie er dieser
Bestimmung folgte. Bis er dann vor einigen Jahren die Größe und Fähigkeit
zeigte, seinen Rückzug so zu gestalten, dass sein Lebenswerk ohne ihn Bestand
hat. Meinen Weg wäre ich wohl auch ohne Hermke gegangen, aber er wäre sicherlich
steiniger gewesen, hätte mich womöglich in eine ganz andere Richtung geführt
oder erst viel später ans Ziel gebracht. So aber konnte ich mich 45 Jahre lang
auf diesen „Kompass“ verlassen. Am Ende bleibt nur, ihm die Ehre zu erweisen und
ihm ein herzliches „Ave Hermke,
morituri te salutant!“ in seinem geliebten
Latein hinterherzurufen.
Horst Illmer