Auch schon seit fast 25 Jahren
unterwegs im Auftrag des Herrn: NOVA,
das „Magazin für spekulative Literatur“, dessen 38. Ausgabe soeben im Verlag
p.machinery (ISBN 978-3-95765-507-3, 200 S.) erschienen ist. Das
Redaktionstrio aus Marianne Labisch (Stories), Dominik
Irtenkauf (Artikel) und Gabriele
Behrend (Bilder) hat diesmal 14 Kurzgeschichten (u. a. von Michael K. Iwoleit, Frank Lauenroth und Maria Orlovskaya sowie den Gastautoren
Sylvia Heike und Zach Smith) ausgewählt und mit ganzseitigen Grafiken (u. a. von Klaus Brandt, Detlef Klewer, Achim Stößer und Maximilian Wust) illustriert. Den
Sekundärteil beginnt Thomas Ballhausen,
gefolgt von Bettina Wurche, Zura
Jishkariani und Irtenkauf, die
sich auf der Suche nach dem „Deep Space“ befinden. Den Abschluss bildet ein
kurzer Nachruf Jörg Weigands
auf den Schweizer Autor Peter Mathys (1941–2026).
Erfreulich pünktlich liegt die
Nummer 101 der phantastisch! auf
meinem Schreibtisch. Die neue Heimat Calliope Media scheint dem „Magazin für
Science Fiction, Fantasy & Horror“ gut zu bekommen. Auf den 80 Heft-Seiten
findet sich der gewohnte Genre-Mix, zu dessen Höhepunkten diesmal die
Interviews mit René Moreau und Oliver Plaschka gehören, sowie die
Artikel von Christian Hoffmann (über
Tove Jansson), Achim Schnurrer (über drei unbekannte SF-Klassiker) und Yvonne Tunnat (über Ken Liu). Großartig ist der
„Schlüssel“-Comic von Olaf Brill &
Michael Vogt (Ein seltsamer Tag – Episode 101) und unverzichtbar der zweite
Teil der Serie über deutsche SF-Magazine von Horst Illmer. Auch diesmal der Hinweis: Ein Abo kann Leben retten
(u. a. das von SF-Magazinen)!
Und auch dieses Jubiläum soll
und muss gewürdigt werden: Das einzigartige Science-Fiction-Fanzine !Time Machine, das sich im Untertitel
allerdings selbst „Das Science Fiction Fan-Zine“ nennt, konnte im April 2026
mit leichter Verspätung die zehnte Ausgabe feiern. Wie die Herausgeber Udo Klotz und Christian Hoffmann übereinstimmend mit dem Memoranda Verlag
verlauten ließen, war es wohl die Druckerei, die mal eben acht Wochen mehr
brauchte als geplant. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, die 88 Seiten
sind trotz einer Überfülle an Text- und Bild-Material sehr gut lesbar, nur das
Umschlagbild von Dirk Berger droht
fast ein wenig unterzugehen, da man mit vor stolz geschwellter Brust fast das
gesamte Inhaltsverzeichnis gleich vorne drauf drucken ließ. Und auf die
Beiträge von Thomas Harbach, Dominik
Irtenkauf, Michael Wehren, Chris Schlicht,
Wolfang Both, Silke Brandt, Michael Schneiberg und Frank
Schlösser dürfen sich die Herausgeber und der Verleger (die im Heft
natürlich ebenfalls ausführlich zu Wort kommen) durchaus zu Recht etwas
einbilden. Nicht ganz überraschend steht diesmal das Thema „Zeitmaschine“ im
Zentrum, aber auch Ausblicke in die SF-Szenen fremder, unbekannter Länder wie
Georgien oder die Türkei finden statt. Dazu kommt noch Rückblickendes auf einen
ebenso wichtigen wie unbekannten Kurd Laßwitz-Verehrer, einen Marine-Offizier,
der unter Pseudonym mindestens vier Zukunftsromane schrieb und eine
außergewöhnliche Alien-Invasions-Trilogie. Einblicke gewährt ein launiger
Werkstattbericht vom Herausgeber der bemerkenswertesten Original-Homage-Anthologie
des letzten Jahres. Architektur-Kritik, Redaktions-Interna, Literaturgeschichte
und gaaaaanz viele Buchbesprechungen runden die Sache dann ab und lassen
keinen Raum für kritische Anmerkungen. Ein rundum gelungenes Heft, das wieder
einmal die Frage aufkommen lässt, ob Fans nicht doch „slans“ sind (wie seit
1941 immer wieder behauptet wird). Gratulation also! – und der Hinweis, dass
bei Memoranda sowohl ein !Time Machine-Abo
möglich ist, als auch der Bezug älterer Ausgaben (soweit noch vorhanden).
Sehr gefreut habe ich mich
darüber, dass in der Reihe mit Romanen von Octavia
E. Butler, die momentan bei Heyne erscheint, auch VERBUNDEN (ISBN
978-3-453-32350-6, 450 Seiten, Klappenbroschur) neu aufgelegt wurde. Der im
Original 1979 in den USA veröffentlichte Roman KINDRED gehört sicherlich nicht
zu den einfachsten und zugänglichsten Texten Butlers, aber er ist einer ihrer
wichtigsten und eindringlichsten und fordert von seinen Leser*innen alles. Die
Geschichte einer schwarzen Frau, die aus ihrem recht komfortablen Leben Ende
des 20. Jahrhunderts herausgerissen und durch einen Zeitsprung ins Jahr 1815
versetzt wird, besitzt alles, was große Literatur ausmacht. Obwohl Dana von der
Situation völlig überrascht ist, gelingt es ihr, bei ihrer ersten Zeitreise,
einen weißen Jungen vor dem Ertrinken zu retten. Damit scheinen sie und Rufus
jedoch auf eine spezielle Weise miteinander verbunden zu sein, die dafür sorgt,
dass sie auch nach ihrer Rückkehr in ihr altes Leben immer wieder
„zurückreisen“ muss, wenn das Leben von Rufus in Gefahr ist. Auf der
Sklavenfarm von Rufus’ Familie wird ihr dafür allerdings kein Dank
entgegengebracht, sonder Hass und Gewalt. Es dauert lange, bis Dana schließlich
eine Möglichkeit findet, diesen Teufelskreis zu beenden … Butler als Schwarze
und als Frau ging damit bewusst ein großes Risiko ein, denn sowohl die Themen
Rassismus und Sklaverei als auch das Genre Science Fiction waren damals (und
sind bis heute) gesellschaftlich nicht besonders gerne gesehen bzw. akzeptiert.
Und da brauchen wir hierzulande nicht zu glauben, wir wären den USA in dieser
Hinsicht überlegen. Umso wichtiger ist es, sich mit VERBUNDEN
auseinanderzusetzen und reflektiert damit umzugehen. Einige Hilfestellung bietet
das Nachwort der Übersetzerinnen Mirjam
Nuenning und Sharon Dodua Otoo,
das auch erklärt, warum bestimmte, inzwischen geächtete Begrifflichkeiten hier
Verwendung finden.
Es war einmal vor langer,
langer Zeit, da erschien im Goldmann Verlag die EDEN-Trilogie von Harry Harrison, mit Illustrationen von Bill Sanderson. Darin spielte Harrison
auf faszinierende Weise die Möglichkeit durch, dass die Saurier nicht
ausgestorben seien, sondern die Welt weiter beherrschten. Nun gibt es mit WENN
NICHT DIE MENSCHEN (Kunstanstifter, ISBN 978-3-948743-22-2, 54 S.), geschrieben
und illustriert von Vitali Konstantinov,
einen würdigen Nachfolger. Konzipiert für Kinder, stellt dieses großformatige
Hardcover mit seinen farbigen Ausklappseiten fünf Weltentwürfe vor, in denen
Delphine, Waschbären, Oktopusse, Affen und – natürlich – die Dinosaurier
jeweils eigene Zivilisationen errichtet haben. Dabei vermittelt Konstantinov
auf eine gleichermaßen unterhaltsame wie lehrreiche Weise Wissenswertes über
diese Tierarten und deren derzeit bekannten Entwicklungsstand. Die Farbseiten
bieten dann staunenswerte Einblicke in das Leben in Dino-City und Oktopolis, in
Affen-Stadt, Waschbärhausen oder Delphinia. Dieses wunderschön produzierte Buch
ist eine Einladung an die Phantasie. Beim Schmökern und Betrachten, beim Vor-
oder Selberlesen tauchen ganze Romane vor dem inneren Auge auf – einfach
traumhaft schön.
„Tatsache ist, dass der aufklärerische Impetus Roddenberrys zur
Entstehung eines neuen Mythos beigetragen hat, der Sinnfindung jenseits
etablierter Glaubens- und Gottesvorstellungen in Aussicht stellt, wenn nicht
gar ermöglicht. Sollte sich die Menschheit als würdig erweisen, an den strengen
Maßstäben eines Q gemessen zum Aufstieg durch die Transzendenz ihrer materiellen
Gebundenheit fähig zu sein, sich selbst und andere durch Toleranz, Frieden und
Mitgefühl zu mehr Toleranz, Frieden und Mitgefühl zu verführen … dann dürfen
auch die Transzendentalisten, die Romantiker und die wissenschaftlichen
Agnostiker Hoffnung haben, dass die Zukunft nicht nur technologische, sondern
auch spirituelle Errungenschaften bringen wird, die noch nie ein Mensch zuvor
gesehen haben wird.“
Alexander
Nym – „Falsche Paradiese. Götter und Gottesbilder in STAR TREK“; in: phantastisch! Nr. 101 (S. 41)