Okay, jetzt gibt es doch noch
einen guten Grund, den August mit einem Newsletter zu beenden: Der Carcosa
Verlag hat sein Versprechen gehalten und pünktlich die überarbeitete Neuausgabe
von Gene Wolfes Opus magnum DAS BUCH
DER NEUEN SONNE ausgeliefert. Die ursprünglichen vier Teile (DER SCHATTEN DES
FOLTERERS, DIE KLAUE DES SCHLICHTERS, DAS SCHWERT DES LIKTORS und DIE ZITATELLE
DES AUTARCHEN) erschienen im Original Anfang der 1980er Jahre und wurden kurz
darauf auch bei Heyne veröffentlicht. Allerdings war die Zeit wohl noch nicht
reif für solch ein Monumental-Epos. Jedenfalls gab es keine Nachauflagen und so
herrschte etwa vierzig Jahre lang Dürre und Düsternis für alle deutschen
Wolfe-Fans, die diesen, inzwischen zum Mythos gewordenen, vierteiligen
Science-Fiction-Roman im Gewand einer Fantasygeschichte (oder ist es ein
Fantasy-Roman, der magische Science-Fiction-Elemente enthält?) einmal selbst
lesen wollten. Um zu vermeiden, dass sich die Neuleserschaft an einem fast 1400
Seiten mächtigen Ziegelstein überhebt, hat Carcosa das Werk in zwei Teile
aufgeteilt. DAS BUCH DER NEUEN SONNE I (ISBN 978-3-910914-62-9, 696 S.) und DAS
BUCH DER NEUEN SONNE II (ISBN 978-3-910914-64-3, 682 S.) enthalten den von Reinhard Heinz übersetzten und von Hannes Riffel grundlegend
überarbeiteten Romantext, ohne jeden Kommentar oder weitere Erklärungen. Gene Wolfe,
der es ja wissen musste, hat auf Nachfragen immer erklärt, es stünde doch alles
im Buch, man müsse es halt aufmerksam lesen. Viel Spaß!
((Kurzer Einschub hinter vorgehaltener Hand: Im vierten
TEMPORAMORES-Sonderband hat Klaus Geus,
einer der besten deutschen Wolfe-Kenner, bereits 2010 einen wertvollen Essay
veröffentlicht, der den Titel „Wie lese ich Gene Wolfe?“ trägt und „zehn
nützliche Tipps“ zu diesem Thema parat hält. Wer das Buch noch rumliegen hat,
kann ja mal einen Blick riskieren.))
Außerdem möchte ich noch kurz aufzählen, was der Sommer an neuen
Büchern mit sich gebracht hat: Von James
Corey ist mit DER GLAUBE DER BESTIEN (Heyne, ISBN 978-3-453-32261-5, 493
S.) der zweite Hardcover-Band der Reihe THE CAPTIVE`S WAR erschienen. Ebenfalls
bei Heyne kamen die Klassiker KATZENWIEGE (ISBN 978-3-453-32267-7, 255 S.) von Kurt Vonnegut und DIE REISE NACH
PANDORA (ISBN 978-3-453-32429-9, 302 S.) von Frank Herbert in neuen Übersetzungen und als Klappenbroschur
heraus. Langsam lohnt es sich wieder, ein Auge auf meinen alten Lieblingsverlag
zu werfen.
ZITAT
„[Gene]
Wolfe mag für einige Connaisseurs vielleicht der beste Science-Fiction-Autor
sein, der beliebteste – das war und ist er mit Sicherheit nicht. Der Grund ist
jedem, der schon einmal einen Roman oder auch nur eine Kurzgeschichte von ihm
gelesen hat, klar: Wolfe ist kein einfacher Autor. Viele legen nach oder schon
während der Lektüre das Buch frustriert aus der Hand. Selbst Wolfes
Meisterwerk, die hoch gelobte Serie „The Book of the New Sun“ löst bei manchen
Leuten nur ein Schulterzucken aus, wenn man sie nach dem genauen Inhalt und der
Handlung fragt.“
Klaus Geus – „Wie lese ich Gene Wolfe?“,
in: Herrmann Ibendorf (Hrsg.):
TEMPORAMORES-Sonderband 4 (S. 182)