Endlich auf Deutsch erhältlich:
Die von Harlan Ellison im Original
1967 herausgegebene Anthologie GEFÄHRLICHE VISIONEN (Carcosa, ISBN
978-3-910914-42-1, 784 S.), die für das
SF-Genre wichtigste Sammlung aller Zeiten. Die 32
Autor*innen: Brian W. Aldiss, Poul Anderson, J. G. Ballard, Robert
Bloch, Jonathan Brand, John Brunner, David R. Bunch, James Cross, Miriam Allen
deFord, Samuel R. Delany, Lester Del Rey, Philip K. Dick, Sonya Dorman, Larry
Eisenberg, Harlan Ellison, Carol Emshwiller, Philip José Farmer, Joe L.
Hensley, Damon Knight, R. A. Lafferty, Keith Laumer, Fritz Leiber, Kris
Neville, Larry Niven, Frederik Pohl, Howard Rodman, Robert Silverberg, John T.
Sladek, Henry Slesar, Norman Spinrad, Theodore Sturgeon und Roger Zelazny.
Dem Übersetzer Hannes
Riffel, und einem Dutzend Mit-Übersetzer*innen, ist dafür zu danken, dass
die Stimmenvielfalt der Originalgeschichten erkennbar bleibt. Die 33
Geschichten, die Vor- und Nachworte, und der einzigartige romanlange Essay von
Harlan Ellison (und nicht zu vergessen: zwei Vorworte von Isaac Asimov) machen aus GEFÄHRLICHE VISIONEN ein Gesamtkunstwerk,
dessen Relevanz und Qualität wohl auch die nächsten sechzig Jahre überdauern
werden; vor allem aber: ein unvergessliches Lesevergnügen.
Mit JENSEITS
DER GRENZEN (ISBN 978-3-910914-48-3, 355 S.) findet die Ausgabe der
ausgewählten Werke von Joanna Russ
im Carcosa Verlag nach drei Büchern ein (hoffentlich nur vorläufiges) Ende.
Russ (1937–2011) veröffentlichte von 1955 bis kurz vor ihrem Tod, auch wenn der
Schwerpunkt ihres Schreibens zwischen 1960 und 1990 lag. Da bleibt für eine
echte „Werkausgabe“ schon noch was übrig. Andererseits müssen wir dem Verleger Hannes Riffel und der Herausgeberin Jeanne Cortiel natürlich dankbar sein,
denn ihre Auswahl stellt Russ in Deutschland einem neuen Publikum vor. Zudem
beschränkt sich die Textauswahl nicht nur auf die großen, unverzichtbaren
Romane – in Band 3 ist dies DIE TODGEWEIHTEN… aus dem Jahr 1976 – sondern
versucht auch, die Kurzgeschichtenautorin (hier mit „Seelen“ und „Körper“
vertreten), die Essayistin und die kenntnisreiche Rezensentin zu präsentieren.
Und spätestens nach der Lektüre von „Pornografie von Frauen für Frauen, mit
Liebe“, einer scharfsinnigen Untersuchung von STAR TREK-Fanfiction aus dem Jahr
1985, vermisse ich vor allem einen ganzen Band mit Russ-Essays. Und falls ich
dann noch einen Wunsch frei hätte, würden mich die gesammelten Stories von
Joanna Russ sicherlich auch für lange Zeit ans Lesepult fesseln. Oder, kürzer:
Schade, dass mit JENSEITS DER GRENZEN die Joanna Russ-Werke zu Ende sind.
„Wer Kritiken schreibt, neigt dazu, reizbar zu sein. […] Warum
machen wir so etwas? Zunächst mal ist da der reaktive Schmerz. Nur wer Jahr für
Jahr Rezensionen schreibt, weiß, wie wahrhaft abscheulich ein Großteil der
erzählenden Literatur wirklich ist. Dem Schmerz, der solche Lektüre bereitet,
können wir uns nicht entziehen.“
Joanna
Russ – „Bücher“; in: Dies.: JENSEITS
DER GRENZEN (S. 287)